15. September 2025 – Die Mitte konnte bei den nationalen Wahlen 2023 zum ersten Mal seit langem an Wähleranteilen zulegen. Die Strategie 2025, die Partei für neue Wählerschichten zu öffnen und das Profil zu schärfen, war erfolgreich. Als Parteipräsident hat Gerhard Pfister diesen Kurs massgeblich mitgeprägt. Nun übergibt er die Leitung der Partei im Sommer 2025 an die nächste Generation. Im Interview zieht Gerhard Pfister Bilanz, spricht über die Herausforderungen und nächsten Schritte für die Zukunft der Partei, und er verrät, was ihm am Amt des Parteipräsidenten am besten gefallen hat.
Gerhard Pfister, was war der Hauptanlass für die Entwicklung der Strategie 2025?
Gerhard Pfister: Die Analyse nach den Parlamentswahlen 2015 zeigte klar, dass unsere Hauptherausforderung war, Proporzwahlen zu gewinnen.Unser Ziel war es, mit der Strategie 2025 eine nachhaltige Basis für Wahlerfolge in Proporzwahlen zu schaffen. Dies war eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft der Partei.
Wie sah die Strategie 2025 aus?
Die Strategie setzte auf zwei Hauptmassnahmen: Strukturen stärken und das Profil schärfen. Einerseits haben wir durch eine Statutenrevision unsere organisatorischen Grundlagen verbessert. Andererseits war es essenziell, unser Profil als bürgerliche Partei, die soziale Verantwortung übernimmt, zu schärfen und uns klar gegenüber anderen Parteien abzugrenzen. Wir sind sozialer als die FDP, fortschrittlicher als die SVP und liberaler als die SP.
Wie wurde die Strategie konkret umgesetzt?
Die Umsetzung erstreckte sich über zwei nationale Wahlen – 2019 und 2023 – hinweg. Dabei haben wir uns thematisch auf folgende Schwerpun-kte konzentriert: ein für alle zugängliches und bezahlbares Gesundheitssystem, echte Generationengerechtigkeit, eine selbstbewusste Aussenpolitik und eine nachhaltige Wirtschaft. Gleichzeitig haben wir unsere Strukturen modernisiert und mit der Namensänderung die Partei für neue Wählerschichten geöffnet.
War die Strategie 2025 erfolgreich?
Unser erstes Etappenziel war es, 2019 den Wähleranteil zu stabilisieren. Das ist uns mit 11,4% gelungen. Der grösste Erfolg zeigte sich jedoch 2023: Mit einem Wähleranteil von 14,1% konnten wir das Fusionsergebnis nicht nur halten, sondern sogar übertreffen. In den grossen Kantonen Waadt und Zürich konnten wir Zugewinne verzeichnen. Das zeigt, dass die Öffnung der Partei erfolgreich war und wir neue Wählerschichten ansprechen konnten – während uns die bisherige Wählerbasis treu geblieben ist.
Gibt es Bereiche in denen Sie noch Verbesserungsbedarf sehen?
Selbstverständlich gibt es immer Optimierungspotenzial. Dennoch zeigt die Strategie 2025, dass eine klare Positionierung und gezielte strukturelle Stärkung der richtige Weg ist. Diesen eingeschlagenen Weg wollen wir weitergehen und die nächsten Schritte machen.
Dass wir es geschafft haben, mit unseren neuen Identität zu wachsen, macht mich besonders stolz.
Wie sehen diese nächsten Schritte aus?
Wir müssen unser Profil weiter schärfen, aus der Mitte heraus proaktiv mit konstruktiven Lösungen vorangehen und unsere Strukturen weiterentwickeln. Die Erfolge der Strategie 2025 sind eine solide Grundlage. Nun gilt es, die Nachfolgestrategie zu erarbeiten. Daran arbeitet das nationale Parteipräsidium gemeinsam mit den Präsidentinnen und Präsidenten der Kantonalparteien und Vereinigungen. Es gibt also weiterhin viel zu tun.
Was wünschen Sie sich von Ihrer Nachfolge in Bezug auf die neue Strategie der Mitte?
Ich wünsche mir, dass sie oder er mit viel Entschlossenheit und Weitsicht die begonnene Arbeit fortsetzt. Die Mitte hat sich durch klare Positionierung und strukturelle Stärkung gefestigt. Jetzt gilt es, diesen Kurs fortzusetzen, das Profil weiter gezielt zu schärfen und die erfolgreiche Öffnung der Partei fortzusetzen. Zudem möchten wir mehr Bewegungselemente integrieren, die Mitarbeit in unserer Partei partizipativer gestalten, den Bewegungscharakter stärken. Denn die Umfragen zeigen, dass der Parteibasis sowie der Bevölkerung Partizipation und Netzwerkpflege sehr wichtig sind.
Was war für Sie persönlich das grösste Highlight im Strategieprozess 2025?
Die Fusion von CVP und BDP sowie die Namensänderung zu «Die Mitte» war ein historischer Schritt, der unse-
re Partei modernisiert und gestärkt hat. Dass wir es geschafft haben, mit dieser neuen Identität zu wachsen und uns in der politischen Landschaft klar zu positionieren, macht mich besonders stolz. Ein grosser Dank geht an unsere Basis für das entgegengebrachte Vertrauen und an alle, die daran mitgearbeitet und sich konstruktiv eingebracht haben.
Zum Schluss: Was hat Ihnen in Ihrem Amt als Parteipräsident besonders viel Freude bereitet?
Ich habe das Amt sehr gerne ausgeübt. Es war eine schöne Zeit. Man kann unglaublich viel bewirken. Zudem ist man viel unterwegs und dabei stets im Austausch mit der Parteibasis. Das habe ich sehr geschätzt. Klar ist die Belastung hoch und man muss permanent verfügbar sein. Aber Parteipräsident zu sein, ist eine fantastische Aufgabe. Das schönste Amt nach Papst.